Gerade in den USA hätte man einen Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehr erwartet. Schließlich wäre genug Platz für Schnellstrecken vorhanden. Dennoch hat sich die Bahn dort bisher nie richtig durchsetzen können. Vielmehr nehmen Reisende das Flugzeug oder den Bus. Lediglich der Güterverkehr bietet den dortigen Eisenbahngesellschaften einen Ertrag. Die Gleise sind oft in sehr schlechtem Zustand, weshalb trotz technischer Leistungsreserven der vorhandenen Züge bisher kein Hochgeschwindigkeitsverkehr stattfand. Doch die Eisenbahngesellschaft AMTRAK liebäugelte schon länger mit schnellen Zügen. Kandidaten waren der deutsche Transrapid, der ICE, der schwedische X2000 und der französische TGV. Ein ICE1-Zug und ein X2000 wurden sogar für Werbezwecke extra nach Amerika verschifft! Zuerst zeigte der X2000, was in ihm steckte und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Vom 17. Juli 1993 bis 3. Oktober war der 'ice-train' auf Amerika - Tournee, danach stand er bis Dezember '93 im Metrolinerdienst zwischen Washington und New York. Auch der ICE fuhr mit 260 km/h für die USA rekordverdächtige Geschwindigkeiten. Dennoch bekam aufgrund des Designs und des besten Preisangebots Bombardier den Auftrag für den Bau von 20 Zügen mit Neigetechnik. Bombardier hatte die Rechte an den französischen TGV-Zügen durch Alstom inne, so dass im Prinzip der TGV 'siegte'. Am 15. März 1996 durfte Bombardier mit dem Bau von 20 Zügen mit Neigetechnik beginnen, damals noch 'American Flyer' genannt. Die meisten Komponenten wurden in den USA gefertigt. Lediglich Traktionskomponenten und Teile von Drehgestellen kamen aus Frankreich. Somit ist der Acela nur ein sehr entfernter Verwandter vom TGV. Anfang 1999 kam es zu Problemen, weil die Züge zehn Zentimeter breiter als geplant gebaut wurden. Damit reduzierte sich die maximale Neigung in den Kurven von geplanten 6,5° auf 2,4°. Die ersten Tests fanden im Sommer '99 im Colorado Transportation Center statt. Natürlich mussten auch die Gleise für die Höchstgeschwindigkeit von 150 mph (entspricht 240 km/h) vorbereitet werden. Der Oberbau wurde an einigen Stellen erneuert und zudem der Abschnitt New York - Bosten elektrifiziert.
Eine Acela-Garnitur besteht aus 2 Triebköpfen an den Enden des Zuges und 6 Mittelwagen. Ein Zug besteht aus einem Wagen der ersten Klasse, einer Bar und vier Zweitklasswagen. Insgesamt 12.500 PS treiben den 202 m langen Zug an. Die Neigetechnik wurde von Bombardier erfunden, welche vom LRC-Zug (light, rapid, comfortable) stammt. Sie wird, wie bei fast allen anderen Neigezügen auch (außer ICN), hydraulisch betrieben. Nur die Mittelwagen können sich neigen, nicht die Triebköpfe! Die volle Funktionalität wird ab einer Geschwindigkeit von ca. 100 km/h erreicht. Der Acela Express kommt mit 3 verschiedenen Stromsystemen zurecht, wobei er in der Lage ist, bei voller Geschwindigkeit von einem zum anderen Stromsystem zu wechseln. In den Triebköpfen steckt die gleiche Traktionstechnik wie im TGV der dritten Generation (TGV-Réseau). Die Motoren sind jedoch asynchron und geben beim Bremsen wieder Energie ins Netz zurück. Die Wagen ähneln denen des TGV, sind aber um ganze 45% schwerer. Spezielle Knautschzonen in den Triebköpfen erhöhen die Sicherheit der Fahrgäste und des Fahrers im Falle eines Unfalls.
Im Wagen der 1. Klasse finden die Fahrgäste eine 2+1-Bestuhlung vor. Drei Audioprogramme und Video an allen Sitzen unterhalten die Passagiere während der Fahrt. An jedem Sitz ist eine Steckdose für Laptops vorhanden. Zum Service in der 1. Klasse gehört ebenfalls das Essen am Platz. Die Ingenieure dachten auch besonders an behinderte Personen. So ist der ganze Zug für Rollstuhlfahrer zugängig, auch die Telefone können ohne fremde Hilfe von behinderten Fahrgästen erreicht werden. In der 2. Klasse (Business-Class) fehlen die Videobildschirme; Audioprogramme gibt es aber auch hier. Eine 2+2-Bestuhlung zieht sich durch alle 3 Wagen. Das Bistro bietet 34 Reisenden Hocker zum Sitzen. Ein Konferenzabteil ähnlich dem ICE1 mit Fax-, Kopier- und Druckmöglichkeiten rundet das Angebot ab.
Mit 14 Monaten Verspätung fahren seit dem 11. Dezember die ersten beiden Züge einmal täglich von Washington (DC) nach New York. Die Reisezeit beträgt 3 Stunden. Von dort aus geht es in 3 Stunden 23 Minuten nach Boston. Nur auf dieser Strecke wird die volle Geschwindigkeit erreicht, ansonsten liegt die Maximalgeschwindigkeit bei ca. 200 km/h. Am selben Tag fährt der Zug wieder zurück nach Washington. Im Sommer diesen Jahres sollen alle 20 Züge ausgeliefert sein, so dass täglich 19 Züge von Washington nach New York und retour, sowie 10 Züge von New York nach Boston und ebenso viele zurückfahren können.
In den USA gibt es sehr viele nichtelektrifizierte Strecken. Um die gleichen Leistungsdaten elektrischer Züge zu erreichen, stellte Bombardier Transportation in Washington den Jet-Train vor. Er erreicht mit Hilfe von einer Flugzeugturbine (Pratt & Whitney PW 150) 240 km/h. Die Technik erfüllt alle amerikanischen Anforderungen an Hochgeschwindigkeits-Schienenfahrzeuge. Dabei ist eine "Lokomotive" um ganze 20 Prozent leichter als eine herkömmliche Diesellokomotive. Die Beschleunigung verdoppelte sich dagegen. Auch in Sachen Umweltschutz unterbietet sie die Emissionen von Dieselfahrzeugen.
Technische Daten: Acela |
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| Zug- / Baureihenbezeichnung: | Acela Express |
| Einsatzland: | USA |
| Hersteller: | Bombardier / Alstom |
| Anzahl der Züge: | 20 Züge |
| Zugtyp | Triebzug |
| Anzahl der Triebköpfe: | 2 Triebköpfe |
| Anzahl der Mittelwagen: | 6 Mittelwagen |
| Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant: | 44 / 260 / --- (304 insg.) |
| Baujahre: | 1996 - 2000 |
| Spurweite: | 1435 mm |
| Stromsystem(e): | 11,5 kV / 25 Hz 12,5 kV / 60 Hz 25 kV / 60 Hz |
| Zugleitsystem(e): | 2-Frequenz Signal-System ATC (Automatic Train Control) ACSES |
| Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit: | 264 km/h |
| Höchstgeschwindigkeit im Plandienst: | 240 km/h |
| Motoren: | 8 Asynchronmotoren |
| Antriebsleistung des Zuges: | 9.200 kW |
| Anfahrzugkraft: | 225 kN |
| Jakobsdrehgestelle: | Nein |
| Neigetechnik: | Ja ( 6.5° ) |
| Zug fährt auch in Traktion: | Nein |
| Achsformel: | Bo'Bo'+2'2'+2'2'+2'2'+2'2'+2'2'+2'2'+Bo'Bo' |
| Länge / Breite / Höhe der Triebköpfe: | 12.220 / 3175 / --- mm |
| Länge / Breite / Höhe der Mittelwagen: | 26.650 / 3162 / --- mm |
| Leergewicht: | 566 t |
| Zuglänge: | 203 m |
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Angaben ohne Gewähr |
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